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Paulus schrieb seinen
Brief an die Epheser von einer Gefängniszelle aus. Frei aus
seinem Herzen heraus kleidete er seine grosse Vision der Gemeinde in
all ihrer Herrlichkeit in Worte. Paulus war jedoch kein Mystiker. Er
war ein Meisterbauherr, der seine Vision verwirklicht sehen wollte.
Das himmlische Ideal muß seine Auswirkung haben auf Erden und zu
diesem Ziel müssen die Gläubigen liebevolle
Einheit bewahren, was immer das
kostet. Nicht passiv, sondern engagiert und fleissig. Es reicht nicht
in einer gespannten Situation die unschuldige Partei zu sein, wir müssen
auch aktiv Frieden und Harmonie bringen.
Ein Leib, ein Körper
Seine Vorstellung von Einheit in Epheser 4 gründet sich fest auf
die Wahrheit, daß die Gemeinde ein Leib ist; ein Geist der
darinnen wohnt, wir teilen denselben Herrn und dieselbe Hoffnung. Wir
sind ein Volk. Daher muß das auch in der Praxis so sein. Ohne
diese Wahrheit, werden wir locker was Einheit betrifft, sie wird zwar
wünschenswert, aber nicht absolut notwendig. Paulus sagt nicht: "Wäre
es nicht nett, wenn wir zusammen sind." Er erklärt
"Es gibt einen Leib".
Ohne dieses Verständnis werden wir schnell isoliert oder kritisch
mit denen, die die Dinge nicht so sehen wie wir. Das Wissen, das wir
ein Leib sind, sollte uns bereits daran hindern, uns gegenseitig etwas
vorzumachen oder schlimmer noch uns zu belügen. Wie idiotisch,
wenn das Auge, das ein Hindernis vor sich sieht, es nicht dem ganzen Körper
mitteilen würde, damit der Fuß nicht darüber stolpert.
Wenn der Fuß stolpert, hat das eine Wirkung auf den ganzen Körper,
evtll. sogar für das Auge. Paulus erinnert uns daran, daß
wir Glieder im Leib sind, die miteinander verbunden sind.
Wenn die Reifen quietschen
Es reicht nicht, diese Last dem Herrn zurückzuschieben und zu
beten, daß er uns eins mache, obwohl wir von Johannes 17 sehen,
daß dies ein wichtiger Bestandteil ist. Paulus gibt uns wichtige
Spielregeln, die Einheit zu bewahren.
Eph. 4,2-3 "...Demut, Sanftmut und
Geduld..." Echte Lebenssituationen testen ständig
unsre Einheit. Eine Person tritt einer anderen auf die Füsse
durch Wort oder Tat und der andere reagiert. Sanftmut ist die Fähigkeit,
nicht zu reagieren. Wir wissen, daß Gott reich ist an Güte
und Langmut und Geduld. Röm. 2:4 "...
verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut...?"
Jesus zeigte den gleichen Charakter. Er war demütig und so
konnten alle ihm begegnen, ob kleine Kinder oder reumütige
Prostituierte. Paulus gibt uns den Schlüssel zur richtigen
Einstellung andern gegenüber, indem er die richtige Einstellung
uns selbst gegenüber ermutigt. Mit Demut und Geduld zeigen wir
Sanftmut. Ein sanftmütiger Mensch ist nicht voller Forderungen
und Erwartungen, bevor andere Menschen ihm überhaupt erst
begegnen. "Ich hab keine Zeit" war niemals Jesus Antwort
oder hang zwischen den Zeilen. Wenn wir uns selbst für wichtig
halten, fragen wir: "Wie traut der sich so mit mir zu reden."
Der geistliche Mensch jedoch ist nicht von sich eingenommen, er kann
gut in Harmonie mit andern leben. Röm 12,16 "...
trachtet nicht nach hohen Dingen..." Er ist bereit auf
einen guten Ruf und Bedeutung zu verzichten. Wenn er einen guten Ruf
sich erwirbt, braucht er ihn nicht zu verteidigen. Sanftmut ist ein
weiteres Merkmal. Es bedeutet aber nicht Schwachheit. Es bedeutet
nicht, daß jeder über mich rübertrampeln kann oder ein
Temperament, das von Natur aus schüchtern und zurückhaltend
ist. Sanftmut gründet sich auf eine wahrhaftige Einschätzung
meiner selbst vor einem allmächtigen Gott. In der Gegenwart
Gottes ist es ein hartes Herz, das zerbrochen ist und das nicht stolz
ist auf diese Zerbrochenheit oder zur Schau stellt, sondern gerettet
ist von Hochmut und daher ist es leicht mit solch einem Menschen
Gemeinschaft zu haben.
Der Widerspenstigen Zähmung
Das griechische Wort praus (Demut, Sanftmut) wurde gebraucht
für ein Tier, daß gezähmt wurde. Wilde Pferde in
Wildwest-Filmen sind unabhängig und wehren sich gegen jeden
Versuch, es zu reiten. Schliesslich wird es vom Helden des Films
besiegt und geritten. Das Pferd hat nichts von seiner Muskelkraft und
Geschwindigkeit verloren, aber es ist jetzt unter Kontrolle. Der
sanfte Mensch ist auch frei von rachsüchtigen, rebellischen Gefühlen
und muß sich nicht gegen persönl. Verletzungen oder
Angriffe verteidigen. Er tritt nicht mehr aus wie ein wildes Pferd. 1.
Petr. 2:23 "... der nicht mit Schmähungen
antwortete, als er geschmäht wurde, der nicht drohte, als er litt
..."
Liebe ist grosszügig und geduldig
Geduld ist eine weitere Zutat, die Einheit im Geist zu bewahren. Auch
diese fliesst direkt von einer Einstellung uns selbst gegenüber.
Wenn wir Gottes Geduld uns gegenüber erlebt haben, wie können
wir dann mit anderen ungeduldig sein? Wir müssen das Herz Gottes
kennenlernen. Paulus wurde nicht so vorangetrieben in seiner Sorge um
all die Gemeinden und seinen Eifer um unevangelisierte Gebiete, daß
er ungeduldig wurde. Nein, er stellt Geduld heraus als ein Zeichen
wahrer Apostel- bzw. Leiterschaft. 2. Kor 6:6 "...
in Langmut, in Freundlichkeit, im heiligen Geist ..."
Warum der Aufwand?
Warum die Einheit überhaupt bewahren? Psalm 133
"Wie gut und angenehm, wenn Brüder
wohnen zusammen in Einheit ... dort hat der Herr den Segen befohlen..."
Wo Gott solche Einheit entdeckt, befiehlt er den Segen. Der Hl. Geist
fühlt sich dort wohl. Am Pfingsttag waren sie alle beieinander
und ein Herz und eine Seele. Das Öl des Geistes floss in Strömen
und er band sie sogar noch enger zusammen. In Apg. 2,43-44 finden wir
den Begriff koinonia. Sie sind getauft in Liebe und Vertrauen
zueinander durch den Hl. Geist. Überall ist die Frucht des
Geistes zu sehen in ihren Beziehungen. Sie erheben ihre Stimme zu Gott
einmütig. "Und als sie gebetet
hatten, zitterte der Ort und sie wurden alle mit dem Hl. Geist erfüllt."
Täglich wurden Menschen der Gemeinde hinzugetan und viele Zeichen
und Wunder geschahen. Das Öl floss. Kein Wunder, daß Paulus
es so darauf ankam, die Einheit des Geistes zu bewahren. Ohne Liebe
und Langmut zieht er sich zurück und dann steht "Ichabod"
über unserer Arbeit: "Die Herrlichkeit hat sich zurückgezogen."
- Wir können zwar weitermachen in einer Form der Geistlichheit,
aber wo ist die Kraft? Wo ist das Empfinden von Gottes Gegenwart, das
uns früher begleitete? Manchmal geht es zwischen uns zu locker zu
und wir verpassen dabei eine ganze Menge. Wir können vielleicht
Hauskreise als Regel einsetzen in der Gemeinde und mit "heavy"
Autorität die Dinge zusammenhalten, aber nur der Hl. Geist kann
die Gnaden schenken, die das Ganze bereichert. Er bringt uns hinein in
einen ganz andere Ebene, wenn wir ihn ehren und eifersüchtig
trachten, ihn nicht zu verletzen. Wir brauchen die Furcht des Herrn,
um uns davor bewahren, zu hastig und schnell ein paar Worte über
jemanden fallenzulassen oder zu schnell uns zu Handlungen verleiten zu
lassen, die wir später bereuen und dann werden wir auch den Trost
und die Gemeinschaft des Hl. Geistes erfahren und die damit verbundene
Vermehrung, Apg. 9,31 "... und wuchs unter
dem Beistand des heiligen Geistes ..." Er fühlt sich
zu Hause in einer Atmosphäre gekennzeichnet von Sanftmut, Langmut
und Geduld. Der Hl. Geist hatte seine Freude, auf dem Retter Jesus zu
ruhen, denn dessen Herz und Charakter waren mit genau diesen Wesenszügen
erfüllt. Daher ermahnt uns Paulus aus seiner Zelle heraus mit
aller Dringlichkeit: "Seid eifrig die
Einheit im Geiste zu bewahren." |