Wiederherstellung
Wiederherstellung, Restauration, Erneuerung

Eine prophetische Stimme - September 98

Die Einheit des Geistes

Paulus schrieb seinen Brief an die Epheser von einer Gefängniszelle aus. Frei aus seinem Herzen heraus kleidete er seine grosse Vision der Gemeinde in all ihrer Herrlichkeit in Worte. Paulus war jedoch kein Mystiker. Er war ein Meisterbauherr, der seine Vision verwirklicht sehen wollte. Das himmlische Ideal muß seine Auswirkung haben auf Erden und zu diesem Ziel müssen die Gläubigen liebevolle Einheit bewahren, was immer das kostet. Nicht passiv, sondern engagiert und fleissig. Es reicht nicht in einer gespannten Situation die unschuldige Partei zu sein, wir müssen auch aktiv Frieden und Harmonie bringen.

Ein Leib, ein Körper
Seine Vorstellung von Einheit in Epheser 4 gründet sich fest auf die Wahrheit, daß die Gemeinde ein Leib ist; ein Geist der darinnen wohnt, wir teilen denselben Herrn und dieselbe Hoffnung. Wir sind ein Volk. Daher muß das auch in der Praxis so sein. Ohne diese Wahrheit, werden wir locker was Einheit betrifft, sie wird zwar wünschenswert, aber nicht absolut notwendig. Paulus sagt nicht: "Wäre es nicht nett, wenn wir zusammen sind." Er erklärt "Es gibt einen Leib". Ohne dieses Verständnis werden wir schnell isoliert oder kritisch mit denen, die die Dinge nicht so sehen wie wir. Das Wissen, das wir ein Leib sind, sollte uns bereits daran hindern, uns gegenseitig etwas vorzumachen oder schlimmer noch uns zu belügen. Wie idiotisch, wenn das Auge, das ein Hindernis vor sich sieht, es nicht dem ganzen Körper mitteilen würde, damit der Fuß nicht darüber stolpert. Wenn der Fuß stolpert, hat das eine Wirkung auf den ganzen Körper, evtll. sogar für das Auge. Paulus erinnert uns daran, daß wir Glieder im Leib sind, die miteinander verbunden sind.

Wenn die Reifen quietschen

Es reicht nicht, diese Last dem Herrn zurückzuschieben und zu beten, daß er uns eins mache, obwohl wir von Johannes 17 sehen, daß dies ein wichtiger Bestandteil ist. Paulus gibt uns wichtige Spielregeln, die Einheit zu bewahren. Eph. 4,2-3 "...Demut, Sanftmut und Geduld..." Echte Lebenssituationen testen ständig unsre Einheit. Eine Person tritt einer anderen auf die Füsse durch Wort oder Tat und der andere reagiert. Sanftmut ist die Fähigkeit, nicht zu reagieren. Wir wissen, daß Gott reich ist an Güte und Langmut und Geduld. Röm. 2:4 "... verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut...?" Jesus zeigte den gleichen Charakter. Er war demütig und so konnten alle ihm begegnen, ob kleine Kinder oder reumütige Prostituierte. Paulus gibt uns den Schlüssel zur richtigen Einstellung andern gegenüber, indem er die richtige Einstellung uns selbst gegenüber ermutigt. Mit Demut und Geduld zeigen wir Sanftmut. Ein sanftmütiger Mensch ist nicht voller Forderungen und Erwartungen, bevor andere Menschen ihm überhaupt erst begegnen. "Ich hab keine Zeit" war niemals Jesus Antwort oder hang zwischen den Zeilen. Wenn wir uns selbst für wichtig halten, fragen wir: "Wie traut der sich so mit mir zu reden." Der geistliche Mensch jedoch ist nicht von sich eingenommen, er kann gut in Harmonie mit andern leben. Röm 12,16 "... trachtet nicht nach hohen Dingen..." Er ist bereit auf einen guten Ruf und Bedeutung zu verzichten. Wenn er einen guten Ruf sich erwirbt, braucht er ihn nicht zu verteidigen. Sanftmut ist ein weiteres Merkmal. Es bedeutet aber nicht Schwachheit. Es bedeutet nicht, daß jeder über mich rübertrampeln kann oder ein Temperament, das von Natur aus schüchtern und zurückhaltend ist. Sanftmut gründet sich auf eine wahrhaftige Einschätzung meiner selbst vor einem allmächtigen Gott. In der Gegenwart Gottes ist es ein hartes Herz, das zerbrochen ist und das nicht stolz ist auf diese Zerbrochenheit oder zur Schau stellt, sondern gerettet ist von Hochmut und daher ist es leicht mit solch einem Menschen Gemeinschaft zu haben.

Der Widerspenstigen Zähmung
Das griechische Wort praus (Demut, Sanftmut) wurde gebraucht für ein Tier, daß gezähmt wurde. Wilde Pferde in Wildwest-Filmen sind unabhängig und wehren sich gegen jeden Versuch, es zu reiten. Schliesslich wird es vom Helden des Films besiegt und geritten. Das Pferd hat nichts von seiner Muskelkraft und Geschwindigkeit verloren, aber es ist jetzt unter Kontrolle. Der sanfte Mensch ist auch frei von rachsüchtigen, rebellischen Gefühlen und muß sich nicht gegen persönl. Verletzungen oder Angriffe verteidigen. Er tritt nicht mehr aus wie ein wildes Pferd. 1. Petr. 2:23 "... der nicht mit Schmähungen antwortete, als er geschmäht wurde, der nicht drohte, als er litt ..."

Liebe ist grosszügig und geduldig
Geduld ist eine weitere Zutat, die Einheit im Geist zu bewahren. Auch diese fliesst direkt von einer Einstellung uns selbst gegenüber. Wenn wir Gottes Geduld uns gegenüber erlebt haben, wie können wir dann mit anderen ungeduldig sein? Wir müssen das Herz Gottes kennenlernen. Paulus wurde nicht so vorangetrieben in seiner Sorge um all die Gemeinden und seinen Eifer um unevangelisierte Gebiete, daß er ungeduldig wurde. Nein, er stellt Geduld heraus als ein Zeichen wahrer Apostel- bzw. Leiterschaft. 2. Kor 6:6 "... in Langmut, in Freundlichkeit, im heiligen Geist ..."

Warum der Aufwand?
Warum die Einheit überhaupt bewahren? Psalm 133 "Wie gut und angenehm, wenn Brüder wohnen zusammen in Einheit ... dort hat der Herr den Segen befohlen..." Wo Gott solche Einheit entdeckt, befiehlt er den Segen. Der Hl. Geist fühlt sich dort wohl. Am Pfingsttag waren sie alle beieinander und ein Herz und eine Seele. Das Öl des Geistes floss in Strömen und er band sie sogar noch enger zusammen. In Apg. 2,43-44 finden wir den Begriff koinonia. Sie sind getauft in Liebe und Vertrauen zueinander durch den Hl. Geist. Überall ist die Frucht des Geistes zu sehen in ihren Beziehungen. Sie erheben ihre Stimme zu Gott einmütig. "Und als sie gebetet hatten, zitterte der Ort und sie wurden alle mit dem Hl. Geist erfüllt." Täglich wurden Menschen der Gemeinde hinzugetan und viele Zeichen und Wunder geschahen. Das Öl floss. Kein Wunder, daß Paulus es so darauf ankam, die Einheit des Geistes zu bewahren. Ohne Liebe und Langmut zieht er sich zurück und dann steht "Ichabod" über unserer Arbeit: "Die Herrlichkeit hat sich zurückgezogen." - Wir können zwar weitermachen in einer Form der Geistlichheit, aber wo ist die Kraft? Wo ist das Empfinden von Gottes Gegenwart, das uns früher begleitete? Manchmal geht es zwischen uns zu locker zu und wir verpassen dabei eine ganze Menge. Wir können vielleicht Hauskreise als Regel einsetzen in der Gemeinde und mit "heavy" Autorität die Dinge zusammenhalten, aber nur der Hl. Geist kann die Gnaden schenken, die das Ganze bereichert. Er bringt uns hinein in einen ganz andere Ebene, wenn wir ihn ehren und eifersüchtig trachten, ihn nicht zu verletzen. Wir brauchen die Furcht des Herrn, um uns davor bewahren, zu hastig und schnell ein paar Worte über jemanden fallenzulassen oder zu schnell uns zu Handlungen verleiten zu lassen, die wir später bereuen und dann werden wir auch den Trost und die Gemeinschaft des Hl. Geistes erfahren und die damit verbundene Vermehrung, Apg. 9,31 "... und wuchs unter dem Beistand des heiligen Geistes ..." Er fühlt sich zu Hause in einer Atmosphäre gekennzeichnet von Sanftmut, Langmut und Geduld. Der Hl. Geist hatte seine Freude, auf dem Retter Jesus zu ruhen, denn dessen Herz und Charakter waren mit genau diesen Wesenszügen erfüllt. Daher ermahnt uns Paulus aus seiner Zelle heraus mit aller Dringlichkeit: "Seid eifrig die Einheit im Geiste zu bewahren."

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Seite erstellt: 7. 7. 1998 - zuletzt updated: 14. 7. 1998
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