Wiederherstellung
Wiederherstellung, Restoration, Erneuerung

Eine prophetische Stimme - September 98

Bundes-Beziehungen

Viele Verwandte rechnen nicht mehr damit, daß das Paar, das gerade heiratet auch über längere Zeit zusammenbleibt. In vielen Ländern gehen Scheidungen jetzt zurück, weil sich Leute garnicht erst verheiraten, sondern so zusammenleben. Der Trend geht dahin einfach zusammenzuleben, "bis daß die Lust und der Wunsch nicht mehr da ist..."
Das unterstreicht natürlich Paulus Ansicht der letzten Zeit, in der Verträge und Bündnisse gebrochen werden und Untreue zu einem alltäglichen Bestandteil des Lebens geworden ist. Neigungen gehen über traditionelle Ehebeziehungen hinaus. "Swinging" und Partnertauschklubs finden regen Zulauf. Interne und internationale Politik, Wirtschaft und Industrie und fast alle Gebiete des Lebens folgen mittlerweile einem ähnlichen Muster.

Gottes Alternative ist das "Salz der Erde". Salz reinigt, heilt, gibt Geschmack und präserviert. Alle diese Eigenschaften sind in der Gemeinde zu finden. Aber es gab früher auch einen Brauch, der mit Loyalität und Treue in persönlichen Beziehungen und Bündnisse zu tun hatte. Freunde, die regelmässig Mahlzeiten zusammen hatten, hatten den Begriff "es ist Salz zwischen uns". Übereinkommen und Bündnisse wurden besiegelt, indem man eine Handvoll Salz miteinander austauschte. Michelangelo verstand diese Bedeutung in der Interpretation seines Gemälde des "Letzten Abendmahls". Als Judas den Tisch verlässt, stösst er dabei das Salzfässchen um.

Bundes-Beziehungen im richtigen Zusammenhang
Zu Bundes-Beziehungen gehören Loyalität und Hingabe. Es gibt nur einen Bund im Neuen Testament - der neue Bund im Blut unsres Herrn Jesus. Das ist der Zusammenhang, der Kontext, in dem Bundesbeziehungen unter Gläubigen existieren. Jesus machte seinen Bund mit allen Nachfolgern, daher sind alle eingeschlossen, die an den Herrn Jesus glauben, alle Gläubigen, d.h. das gesamte Volk des lebendigen Gottes. Der Neue Bund ist allerdings nicht eine allgemeine Lehrsache, sondern praktische Anwendung. Ich kann aber natürlich nicht mit sämtlichen Geschwistern dieser Erde gleichzeitig eine Bundes-Beziehung eingehen. Das wär zwar fantastisch, aber das geht leider nicht. Praktisch gesehen, muß ich also diejenigen immer kennen, mit denen ich eine enge Beziehung eingehe. Diese enge Beziehung ist nicht nur biblisch, sondern auch absolut notwendig, wenn wirkliches Bauen stattfinden soll.

Beziehung zur Wahrheit oder zu Menschen?
Jesus stand zu einigen seiner Nachfolgern, obwohl wir sie schon längst abgeschrieben hätten. Gottes Bund ist nämlich nicht mit Lehrsätzen und Doktrinen geschlossen worden, sondern mit lebendigen Menschen. Jesus starb für Menschen. Er starb für eine Reihe von Leuten, für die ich wahrscheinlich nicht gestorben wäre. Wahrheit ist natürlich wichtig und ich will nicht Kompromisse mit meinem eigenen Glauben, um eine "christliche Einheit" zu bewirken. Wahre Einheit kann nicht aus Kompromissen heraus entstehen, aber wir müssen unsere Prioritäten setzen. Eph. 4,3-13 - Es geht darum die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens. Das ist eine praktische und erfahrbare Wirklichkeit.
Die hartherzigen Pharisäer verurteilten Jesus, weil er am Sabbat heilte, aber Jesus entgegnete: "Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht umgekehrt". In diesem Zusammenhang gilt daher auch: "Menschen existieren nicht, um Wahrheiten zu dienen, sondern Wahrheiten existieren, um Menschen zu dienen."

Über alle dem ist unsere erste Loyalität natürlich Gott gegenüber. Oft findet man jedoch Menschen in einer falschen Abhängigkeit, besonders zu Organisationen oder Diensten, mit denen sie über eine lange Zeit zusammenwaren. "Wie würden sie vorankommen, wenn ich sie verlasse?" "Wenn jeder das machen würde." Vielleicht wäre es aus mit diesem Dienst, aber dann ist das vielleicht genau das, was Gott vorhat. Sicher will keiner von uns etwas unterstützen, oder etwas anhangen, das bereits vom Tode gezeichnet ist, so christlich es sich auch anhört. Trennung in der Gemeinde ist immer zwischen Leben und Tod, nicht zwischen Katholiken oder Protestanten, oder verschiedenen Denominationen und Hauskreisen oder einer Art der Arbeit und einer anderen. Ich möchte persönlich nur dort leben, wirken und arbeiten, wo Gott gegenwärtig ist und heute am Werk ist, der Kontext ist mir dabei völlig zweitrangig. In einigen Situationen entsteht ein falsches Loyalitätsgefühl, weil wir von anderen gefühlsmässig "erpresst" werden. Ein junger Mann wurde mit dem Hl. Geist getauft, der Vater, einer der Ältesten in der Gemeinde: "Wie kannst du das deiner Mutter antun, du weisst, es geht ihr seit Kurzem nicht so gut..."

Bundes-Beziehungen in Gefahr bringen
"...wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören..." 1. Kor 3,17 Zungen, ohne Bewusstsein dieser Bundes-Beziehungen, können ziemlich viel Unglück anrichten im Haus Gottes. Jak 3,5 "Die Zunge ist ein kleines Glied, richtet aber grosse Dinge an ..." Klatsch und Kritik, die wir untereinander verbreiten, meist hinter dem Rücken anderer, zeigt, wie weit es mit unseren Verständnis von Einheit und Gemeinde bestellt ist. Jesus zeigt uns:" Was des Herz voll ist, des fliesst der Mund über", also sollten wir bereits unser Herz und Denken (!) bewahren, vor negativen Einflüssen aller Art. Zwei Spielregeln helfen uns vielleicht, Klatsch und loses Gerede in der Gemeinde zu verhindern:

  • Motiv - warum wir tun, was wir tun
    Eph. 4,29 "Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Munde herauskommen..." Warum sagst du was du sagst? Um den Charakter eines andern zu beschmutzen, oder ihn zu segnen und ihm zu dienen? Mit Sicherheit beschädigst du zumindest die Person, der du das mitteilst. Wir besprechen diese Dinge doch immer gern mit denen, die offen sind dafür, uns gerne dabei zuhören und mit uns sympathisieren, nicht? Böses Nachgerede, auch wenn wahr, ist Angriff bis hin zum geistlichen Mord. Vielleicht gehört für den einen oder andren äusserst viel Selbstdisziplin dazu, damit aufzuhören, aber bevor wir reden, sollten wir wirklich den Herrn nach dem Motiv fragen. "Sich nur Luft zu machen" reicht nicht. Oft geschieht es auch verdeckt in Gebeten und es werden Dinge offenbart ("Man meint es ja gut"), die nicht an die Öffentlichkeit gehören.

    Sprich nur, was dem Bedürfnis des Moments entgegenkommt und was zum Aufbau des Einzelnen beiträgt. Wir haben sicher auch eine Menge guter Dinge über andere mitzuteilen. Also wenn wir gerne über andre reden, warum nicht anfangen, die Vorzüge andrer hervorzuheben und zu loben?

  • Begegnung und Konfrontation
    "Wenn dein Bruder sündigt, gehe zu ihm..." Matth. 18,15-17. Das Leben könnte so viel leichter sein. Aber oftmals fangen wir hintenrum an und gehen zuerst zu ein halbes Dutzend anderer Leute. Wir behandeln den Mitchristen wie einen Ungläubigen, anstatt wie einen Bruder. Wir müssen anfangen, die entsprechende Person selbst zu sehen unter vier Augen. Über 90% der Probleme könnten hier bereits gelöst werden. Da wir so verletzliche, sensible Geschöpfe sind, bestehen die meisten Beziehungsprobleme aus Missverständnissen, Missinterpretationen und dergleichen. Leider haben diese Dinge einen unseligen Hang zu eskalieren und verbiegen sich, wenn man mit "Sympathisanten" darüber spricht.

    Natürlich gilt das doppelt, wenn man ein Problem hat mit einem Leiter. Nicht weil er eine Sonderbehandlung erhält, (und warum eigentlich nicht, wenn er sich um dich sorgt und kümmert, dich füttert und für dich betet usw.), sondern weil er so schon im Kugelhagel steckt und daher Verwundungen ausgesetzt ist.

Nur wenn wir den neuen Regeln des Neuen Bundes und des Lebens in der Herrschaft des Königreiches Jesus gehorchen, dürfen wir hoffen Fortschritte zu machen in unsern Bundes-Beziehungen. Gott kann in unsern Gemeinden das wirken, was er schon lange wirken will, weil wir anfangen Hindernisse aus dem Weg zu räumen und merken, daß Gemeinde nicht Gebäude, Programme, PA's und Stuhlreihen sind, sondern ein lebendiger Organismus von Menschen, den der Herr zu einem Körper zusammenbauen will, in dem er wohnt.

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Seite erstellt: 24. 8. 1998 - zuletzt updated: 24. 8. 1998
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