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Viele Verwandte rechnen
nicht mehr damit, daß das Paar, das gerade heiratet auch über
längere Zeit zusammenbleibt. In vielen Ländern gehen
Scheidungen jetzt zurück, weil sich Leute garnicht erst
verheiraten, sondern so zusammenleben. Der Trend geht dahin einfach
zusammenzuleben, "bis daß die Lust und der Wunsch nicht
mehr da ist..."
Das unterstreicht natürlich Paulus Ansicht der letzten Zeit, in
der Verträge und Bündnisse gebrochen werden und Untreue zu
einem alltäglichen Bestandteil des Lebens geworden ist. Neigungen
gehen über traditionelle Ehebeziehungen hinaus. "Swinging"
und Partnertauschklubs finden regen Zulauf. Interne und internationale
Politik, Wirtschaft und Industrie und fast alle Gebiete des Lebens
folgen mittlerweile einem ähnlichen Muster.
Gottes Alternative ist das "Salz der Erde". Salz reinigt,
heilt, gibt Geschmack und präserviert. Alle diese Eigenschaften
sind in der Gemeinde zu finden. Aber es gab früher auch einen
Brauch, der mit Loyalität und Treue in persönlichen
Beziehungen und Bündnisse zu tun hatte. Freunde, die regelmässig
Mahlzeiten zusammen hatten, hatten den Begriff "es ist Salz
zwischen uns". Übereinkommen und Bündnisse wurden
besiegelt, indem man eine Handvoll Salz miteinander austauschte.
Michelangelo verstand diese Bedeutung in der Interpretation seines Gemälde
des "Letzten Abendmahls". Als Judas den Tisch verlässt,
stösst er dabei das Salzfässchen um.
Bundes-Beziehungen im richtigen Zusammenhang
Zu Bundes-Beziehungen gehören Loyalität und Hingabe. Es
gibt nur einen Bund im Neuen Testament - der neue Bund im Blut unsres
Herrn Jesus. Das ist der Zusammenhang, der Kontext, in dem
Bundesbeziehungen unter Gläubigen existieren. Jesus machte seinen
Bund mit allen Nachfolgern, daher sind alle eingeschlossen, die an den
Herrn Jesus glauben, alle Gläubigen, d.h. das gesamte Volk des
lebendigen Gottes. Der Neue Bund ist allerdings nicht eine allgemeine
Lehrsache, sondern praktische Anwendung. Ich kann aber natürlich
nicht mit sämtlichen Geschwistern dieser Erde gleichzeitig eine
Bundes-Beziehung eingehen. Das wär zwar fantastisch, aber das
geht leider nicht. Praktisch gesehen, muß ich also diejenigen
immer kennen, mit denen ich eine enge Beziehung eingehe. Diese enge
Beziehung ist nicht nur biblisch, sondern auch absolut notwendig, wenn
wirkliches Bauen stattfinden soll.
Beziehung zur Wahrheit oder zu Menschen?
Jesus stand zu einigen seiner Nachfolgern, obwohl wir sie schon längst
abgeschrieben hätten. Gottes Bund ist nämlich nicht mit
Lehrsätzen und Doktrinen geschlossen worden, sondern mit
lebendigen Menschen. Jesus starb für Menschen. Er starb für
eine Reihe von Leuten, für die ich wahrscheinlich nicht gestorben
wäre. Wahrheit ist natürlich wichtig und ich will nicht
Kompromisse mit meinem eigenen Glauben, um eine "christliche
Einheit" zu bewirken. Wahre Einheit kann nicht aus Kompromissen
heraus entstehen, aber wir müssen unsere Prioritäten setzen.
Eph. 4,3-13 - Es geht darum die Einheit des Geistes zu bewahren durch
das Band des Friedens. Das ist eine praktische und erfahrbare
Wirklichkeit.
Die hartherzigen Pharisäer verurteilten Jesus, weil er am Sabbat
heilte, aber Jesus entgegnete: "Der Sabbat ist für den
Menschen gemacht, nicht umgekehrt". In diesem Zusammenhang gilt
daher auch: "Menschen existieren nicht, um Wahrheiten zu dienen,
sondern Wahrheiten existieren, um Menschen zu dienen."
Über alle dem ist unsere erste Loyalität natürlich
Gott gegenüber. Oft findet man jedoch Menschen in einer falschen
Abhängigkeit, besonders zu Organisationen oder Diensten, mit
denen sie über eine lange Zeit zusammenwaren. "Wie würden
sie vorankommen, wenn ich sie verlasse?" "Wenn jeder das
machen würde." Vielleicht wäre es aus mit diesem
Dienst, aber dann ist das vielleicht genau das, was Gott vorhat.
Sicher will keiner von uns etwas unterstützen, oder etwas
anhangen, das bereits vom Tode gezeichnet ist, so christlich es sich
auch anhört. Trennung in der Gemeinde ist immer zwischen Leben
und Tod, nicht zwischen Katholiken oder Protestanten, oder
verschiedenen Denominationen und Hauskreisen oder einer Art der Arbeit
und einer anderen. Ich möchte persönlich nur dort leben,
wirken und arbeiten, wo Gott gegenwärtig ist und heute am Werk
ist, der Kontext ist mir dabei völlig zweitrangig. In einigen
Situationen entsteht ein falsches Loyalitätsgefühl, weil wir
von anderen gefühlsmässig "erpresst" werden. Ein
junger Mann wurde mit dem Hl. Geist getauft, der Vater, einer der Ältesten
in der Gemeinde: "Wie kannst du das deiner Mutter antun, du
weisst, es geht ihr seit Kurzem nicht so gut..."
Bundes-Beziehungen in Gefahr bringen
"...wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören..."
1. Kor 3,17 Zungen, ohne Bewusstsein dieser Bundes-Beziehungen, können
ziemlich viel Unglück anrichten im Haus Gottes. Jak 3,5 "Die
Zunge ist ein kleines Glied, richtet aber grosse Dinge an ..."
Klatsch und Kritik, die wir untereinander verbreiten, meist hinter dem
Rücken anderer, zeigt, wie weit es mit unseren Verständnis
von Einheit und Gemeinde bestellt ist. Jesus zeigt uns:" Was des
Herz voll ist, des fliesst der Mund über", also sollten wir
bereits unser Herz und Denken (!) bewahren, vor negativen Einflüssen
aller Art. Zwei Spielregeln helfen uns vielleicht, Klatsch und loses
Gerede in der Gemeinde zu verhindern:
- Motiv - warum wir tun, was wir
tun
Eph. 4,29 "Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Munde
herauskommen..." Warum sagst du was du sagst? Um den Charakter
eines andern zu beschmutzen, oder ihn zu segnen und ihm zu dienen?
Mit Sicherheit beschädigst du zumindest die Person, der du das
mitteilst. Wir besprechen diese Dinge doch immer gern mit denen, die
offen sind dafür, uns gerne dabei zuhören und mit uns
sympathisieren, nicht? Böses Nachgerede, auch wenn wahr, ist
Angriff bis hin zum geistlichen Mord. Vielleicht gehört für
den einen oder andren äusserst viel Selbstdisziplin dazu, damit
aufzuhören, aber bevor wir reden, sollten wir wirklich den
Herrn nach dem Motiv fragen. "Sich nur Luft zu machen"
reicht nicht. Oft geschieht es auch verdeckt in Gebeten und es
werden Dinge offenbart ("Man meint es ja gut"), die nicht
an die Öffentlichkeit gehören.
Sprich nur, was dem Bedürfnis des Moments entgegenkommt und
was zum Aufbau des Einzelnen beiträgt. Wir haben sicher auch
eine Menge guter Dinge über andere mitzuteilen. Also wenn wir
gerne über andre reden, warum nicht anfangen, die Vorzüge
andrer hervorzuheben und zu loben?
- Begegnung und Konfrontation
"Wenn dein Bruder sündigt, gehe zu ihm..." Matth.
18,15-17. Das Leben könnte so viel leichter sein. Aber oftmals
fangen wir hintenrum an und gehen zuerst zu ein halbes Dutzend
anderer Leute. Wir behandeln den Mitchristen wie einen Ungläubigen,
anstatt wie einen Bruder. Wir müssen anfangen, die
entsprechende Person selbst zu sehen unter vier Augen. Über 90%
der Probleme könnten hier bereits gelöst werden. Da wir so
verletzliche, sensible Geschöpfe sind, bestehen die meisten
Beziehungsprobleme aus Missverständnissen, Missinterpretationen
und dergleichen. Leider haben diese Dinge einen unseligen Hang zu
eskalieren und verbiegen sich, wenn man mit "Sympathisanten"
darüber spricht.
Natürlich gilt das doppelt, wenn man ein Problem hat mit einem
Leiter. Nicht weil er eine Sonderbehandlung erhält, (und warum
eigentlich nicht, wenn er sich um dich sorgt und kümmert, dich
füttert und für dich betet usw.), sondern weil er so schon
im Kugelhagel steckt und daher Verwundungen ausgesetzt ist.
Nur wenn wir den neuen Regeln des
Neuen Bundes und des Lebens in der Herrschaft des Königreiches
Jesus gehorchen, dürfen wir hoffen Fortschritte zu machen in
unsern Bundes-Beziehungen. Gott kann in unsern Gemeinden das wirken,
was er schon lange wirken will, weil wir anfangen Hindernisse aus dem
Weg zu räumen und merken, daß Gemeinde nicht Gebäude,
Programme, PA's und Stuhlreihen sind, sondern ein lebendiger
Organismus von Menschen, den der Herr zu einem Körper
zusammenbauen will, in dem er wohnt.
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